Antje Müller Garten Manifest

Mein Garten-Manifest: 15 Punkte für einen Garten mit Charakter

Ein Garten – unendliche Möglichkeiten. Ein Garten besteht nicht nur aus Rollrasen und Formschnitthecke. Er ist nicht nur „Fläche“: „Grünfläche“ oder die Empfangsfläche für Gäste oder Stellfläche für Pool und Trampolin. Nein, für mich ist ein Garten so viel mehr! Oder genauer gesagt, ein Wohlfühl-Garten, wie ich ihn definiere. Er ist keine „Fläche“, sondern ein Ort des puren Lebens. Er ist deine Leinwand und dein größter Lehrer.

Aber genau dieses Verständnis von Garten vermisse ich in den letzten Jahren immer mehr: Wohlfühl-Gärten mit Charakter. Es ist, als hätten die Prospekte der Gartencenter und Baumärkte die Menschen entmündigt und ihnen den Bezug zur Natur ausgetrieben. Es ist, als seien Gärten zu diesen toten „Flächen“ verkommen. Doppelstabmatten, Kirschlorbeer und Schotter wurden uns als schnelle Gartenlösungen verkauft. „Blickdicht“, „immergrün“ und „pflegeleicht“ sind dabei die schlagkräftigen Verkaufsargumente.

Garten ist aber so viel mehr, als sich vor den Blicken der Nachbarn zu schützen, die Mülltonnen zu verstecken oder Flächen so zuzuschütten, dass alles Leben im Keim erstickt wird. Garten bedeutet Pflanzen, ja, aber auch Verantwortung übernehmen. Verantwortung übernehmen für ein Stück Land und damit auch für nachfolgende Generationen. Garten bedeutet auch durch Selbstermächtigung seinen eigenen Weg zu gehen und sich selbst treu zu bleiben. Er ermöglicht Kreativität und Gemeinschaft, aber auch Konsumkritik.

Wer Garten nur als blickdichte, immergrüne und pflegeleichte Fläche versteht und jedem Garten-Trend hinterherläuft, wird nie erfahren, wie sehr naturnahes Gärtnern unser Leben positiv beeinflussen kann. Wer sich von der Frage „Was sollen die Nachbarn denken?“ befreit und tiefer in das Wissen um den Garten als Lebensraum eintaucht, entdeckt ein neues, fast magisches Universum.

1. Jeder Mensch kann Gärtnern

„Ich habe keinen grünen Daumen“. Diese Ausrede lasse ich nicht gelten. Auch ich habe vor einigen Jahren ohne grünen Daumen angefangen. Wenn du das Glück hast, einen Garten zu besitzen, dann übernimm die Verantwortung für dieses Stück Erde! Und mach das Beste für dich und die Natur daraus. Dazu brauchst du nicht viel, aber den Willen zu lernen. Du musst nicht unzähligen Stunden und viel Geld in den Garten investieren. Du musst auch nicht alles auf einmal machen, du musst nichts perfekt machen, aber mach den ersten Schritt! Der kann auch darin bestehen, dass du jetzt weiterliest.

2. Garten ist mehr als Arbeit

Ja, ein Garten macht Arbeit: Pflanzen setzen, Rasen mähen, Laub rechen. Das will ich nicht verschweigen. Aber die Frage ist: Welche Art von Arbeit ist es? Für mich ist es Arbeit, die mich mit der Natur verbindet. Ich spüre das Wetter, ich berühre die Erde, um meine Beine streift das Gras. Bei der Gartenarbeit bekomme ich den Kopf frei. Ich sehe nur den nächsten Handgriff, einen nach dem anderen. Ein fast meditativer Akt. Für mich ist es definitiv mehr als Arbeit.

3. Ein Garten ist nie „fertig“

Beim Garten ist der Weg das Ziel. Ich bin davon ausgegangen, dass ich den Garten plane, genau so umsetze und dann ist er fertig. Weit gefehlt! Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Der Garten wird nie fertig – und das ist in Ordnung! Bei manchen Ecken warte ich noch auf Eingebungen, wie sie aussehen sollen. Bei anderen bin ich schon wieder am Umgestalten. Einige Pflanzen müssen weichen, viele kommen hinzu. Es ist ein ständiger Wandel. Ein positiver, sich selbst verstärkender kreativer Kreislauf, der mit jedem neuen Wissen über Garten, Pflanzen und Tiere besser wird. Wie du stressfrei diesen Weg gehst, erfährst du hier: Gartengestaltung: 12 Garten-Mythen, die beim Anlegen deines Gartens stressen

4. Gärtnern ist ein Marathon, kein Sprint

Der Garten ist eine Lebensaufgabe, die dich auf deinem Weg begleitet. Es ist eine lange, aber sehr lohnende Reise. Meinen Marathon versuche ich mit meiner Philosophie #15MinutenGarten zu laufen. Jeden Tag 15 Minuten im Garten (ich verspreche dir, es wird schnell auch länger, wenn du einmal angefangen hast, aber damit wären wir wieder bei Punkt 2 zurück).

5. Der Inhalt ist wichtiger als der Stil

Ups, was meine ich mit diesem Punkt? Dazu eine kleine Vorrede: Wenn ich von Wohlfühl-Gärten spreche, meine ich naturnahe Gärten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass überwiegend heimische Pflanzen verwendet werden, weil sie für heimischen Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten überlebenswichtig sind. Diese insektenfreundlichen Pflanzen sind nicht nur zentral für das ökologische Gleichgewicht, sondern für mich auch die beste Voraussetzung für einen pflegeleichten Garten. Sie beschreiben sozusagen den „Inhalt“ des Gartens. Der „Stil“ umfasst für mich die Richtung des Gartendesigns: Das kann von mediterran über romantisch bis hin zu modern minimalistisch reichen. Den Wildbienen ist der Gartenstil egal – für sie kommt es auf den Inhalt (heimische Wildblumen, Sträucher und Bäume) an.

6. Garten und Naturschutz gehören zusammen

Erst nach einiger Zeit habe ich verstanden, dass Garten und Naturschutz eng miteinander verbunden sind. Ich habe erkannt: Der Garten ist nicht nur mein persönlicher Lebensraum, sondern auch ein Mikrokosmos, mit dem ich einen großen Beitrag zum Naturschutz leisten kann. Mein Garten war dabei mein bester Lehrer. Er hat mir gezeigt: Je bewusster ich Pflanzen auswähle und je naturnäher ich gärtnere, desto mehr wird mein Garten zum Rückzugsgebiet für Insekten, Vögel und andere Lebewesen. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß oder wie klein der Garten ist. Jeder Quadratmeter zählt.

7. Gärtnern ist ein Akt des Empowerments

Je mehr du über natürliche Kreisläufe lernst und siehst, wie du mit deinem Garten dazu beitragen kannst, desto mehr wirst du diesen Weg bewusst gehen. Du rennst nicht jedem Garten-Trend hinterher, sondern triffst begründete Entscheidungen, die du auch vertreten kannst. Du weißt, welche Pflanzen du in deinen Garten lässt und welche nicht (wenn du bei diesem Punkt unsicher bist, dann hol dir meine persönliche Liste der Pflanzen-Fehlkäufe) Du verstehst, dass dein Garten Großes leisten kann. Wenn du anfängst, dich mit dem Thema zu beschäftigen und deinen eigenen Weg in der Gartengestaltung findest, ermächtigt du dich selbst. Wenn du deinen Garten in diesem Sinne empowerst, ist das auch ein Empowerment für dich selbst. Und das fühlt sich gut an – glaub mir!

8. Gärtnern ist gelebte Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern

Das Empowerment des Gartens und von uns selbst geht noch weiter: Wir legen damit einen Grundstein und übernehmen bewusst im Hier und Jetzt Verantwortung für eine gleichberechtigte Zukunft nachfolgender Generationen. Unsere Kinder und Enkelkinder werden die Welt nicht mehr so vorfinden, wie wir sie kennen. Deshalb sollten wir jetzt alles tun, um möglichst vielen Insektenarten das Überleben zu sichern. Sie erhalten das ökologische Gleichgewicht, auch in der Zukunft.

9. Gärtnern funktioniert am besten im Austausch mit Gleichgesinnten

Die Gemeinschaft und der Erfahrungsaustausch sind ein wichtiger Punkt, um deine Motivation beim Gärtnern immer wieder zu befeuern. Suche dir ein Netzwerk, das kann in den sozialen Medien oder in deiner Umgebung sein. Ich bin Mitglied im Naturgarten e.V. und sage über unsere Regionalgruppe gerne „gemeinsam sind wir schlauer“. Das gebündelte Wissen, die gegenseitige Unterstützung mit Ideen, Pflanzen und tollen Aktionen bereichert nicht nur meinen Garten sondern auch mich.

10. Ein Garten ist ein Statement, sich kommerziellen Interessen zu entziehen

Private Gärten sind ein wichtiger Wirtschaftszweig, der je nach Jahreszeit bedient werden kann. Nicht nur saisonale Pflanzen, sondern auch eine Vielzahl von Geräten bis hin zum Smart Gardening schaffen immer wieder neue Kaufanreize. In einem naturnahen, klimafesten Wohlfühl-Garten mit heimischen Pflanzen brauchst du das nicht. Du machst dich frei von ständigen Konsumverlockungen. Wie kommst du trotzdem an neue Pflanzen? Unter Gleichgesinnten (siehe Punkt zuvor) werden gerne Ableger verschenkt, es gibt Pflanzentauschmärkte – sicher auch in deiner Nähe – oder du ziehst sie selbst. Natürlich kannst du auch Pflanzen kaufen, aber achte darauf, dass du dies in entsprechenden Wildstaudengärtnereien tust. Diese Pflanzen bleiben in deinem Garten und müssen nicht jede Saison ausgetauscht werden.

12. Ein Garten ist eine Leinwand

Dein Garten ist dein kreativer Entfaltungsraum, im Großen wie im Kleinen. Im Großen: Die Gestaltung des gesamten Gartens lässt viel Spielraum. Im Kleinen: Jedes Beet ist wie das Malen auf einer lebendigen Leinwand, wo jede Pflanze und jedes Element eine kreative Entscheidung ist. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, trage dich in meine Warteliste für den Kurs Blumen-Power: Beetgestaltung leicht gemacht ein.

13. Ein Garten ist ein Akt der Achtsamkeit

Die Pflege und naturnahe Gestaltung eines Gartens ist ein Akt der Achtsamkeit dir selbst gegenüber. Du bist es dir wert, dir einen solchen Ort der Kraft zu schenken. Ein solcher Ort zeigt auch deine tiefe Verbundenheit und deinen Respekt der Natur gegenüber. Umweltfreundliche Praktiken helfen, die Verbindung zur Natur aufrecht zu erhalten. Lass jeden liebevollen Handgriff im Garten deine persönliche Entwicklung und deine Achtsamkeit gegenüber der Natur widerspiegeln.

14. Ein Garten berührt die Seele

Ein Wohlfühlgarten, wie ich ihn mir vorstelle, ist geprägt von maximaler Blütenfülle und einer Geräuschkulisse aus Summen und Zwitschern. Hier fühlt man sich eins mit der Natur, entspannt und auch die Seele schwingt mit. Zahlreiche Studien belegen die positiven Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden und mentaler Gesundheit durch weniger Stress und bessere Laune (Studie: Gesundheitsfördernde Wirkung von Gärten, 2016)

15. In Gärten manifestiert sich die Magie der Natur

In deinem Gärten entfaltet sich die Magie der Natur auf bezaubernde Weise, wenn man sie lässt. Ich kann stundenlang dem Treiben der Wildbienen an den blühenden Pflanzen zuschauen. Auch wenn ich viele biologische Vorgänge nicht bis ins Detail durchschaue, so vertraue ich doch darauf, dass ich den bestmöglichen Lebensraum schaffe, um den Zauber der Natur wirken zu lassen.


Damit bin ich am Ende meines Garten-Manifests. Du hast viel über meine persönliche Sicht auf Blütenfülle, Verantwortung und Empowerment erfahren.

Auch ein Garten mit Roll-Rasen, Formschnitthecke oder Schotterwüste kann zu einem Wohlfühl-Garten werden. Du kannst ihn Stück für Stück umgestalten, Blumen, Sträucher oder Bäume pflanzen, die eines Tages deinen Enkeln wertvollen Schatten spenden. Lass deinen Garten dein Lehrer und deine Leinwand sein, es gibt viel zu entdecken!

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar 🙂

Und danach: Ab in den Garten!



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