Ich war nie das Kind, das Blumen gepflückt, Insekten beobachtet oder begeistert in einem Gemüsebeet gewühlt hat. Ganz im Gegenteil: Natur, Pflanzen und Tiere haben mich früher ehrlich gesagt kaum interessiert. Umso erstaunlicher finde ich heute meine eigene Entwicklung: Nach nur sechs Jahren mit einem eigenen Garten stehe ich nun am Beginn meiner Weiterbildung zum Naturgarten-Profi.
Zum Gartenthema bin ich eher zufällig gekommen. Nach einem Umzug in ein Haus mit Garten 2019 blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich damit auseinanderzusetzen. Anfangs habe ich es so gemacht, wie ich dachte, dass es richtig wäre. Doch mit jedem Jahr, jedem Versuch und jedem weiteren Gartenbuch habe ich mich dem Kern genähert: dem Verständnis von natürlichen Kreisläufen.
Etwa drei Jahre hat es gedauert, bis ich so meinen Weg zum naturnahen Garten gefunden habe. Und jetzt, mit der Weiterbildung zum Naturgarten-Profi, darf ich mein Wissen endlich vertiefen und professionalisieren. Das ist mein nächster großer Schritt auf meinem ganz persönlichen Gartenweg.
In diesem Artikel habe ich die wichtigsten Stationen dieser nebenberufliche Weiterbildung an der Naturgarten-Akademie zusammengefasst und teile regelmäßig Einblicke in meine Learnings, aus den vorgeschriebenen Praktika-Tagen und den Exkursionen.
Was ich beim Naturgarten-Profi lerne
Seit Oktober 2025 bin ich mitten in meiner berufsbegleitenden Weiterbildung zum Naturgarten-Profi. Zwei Jahre, in denen sich alles um naturnahes Planen, Bauen und Pflegen dreht. Und ich kann schon jetzt sagen: Es ist unglaublich spannend!
Die Weiterbildung wird von der Naturgarten-Akademie angeboten. Was die Akademie ist, habe ich Dir unten im Info-Block zusammengefasst. Das Angebot richtet sich an Planer*innen, Gartenpraktiker*innen, Mitarbeitende von Kommunen oder Naturschutzorganisationen und an Quereinsteiger*innen wie mich, die sich mit diesem Abschluss selbstständig machen wollen.
In sieben Modulen, jeweils zwei bis vier Tage lang, bekomme ich das nötige Rüstzeug, um naturnahe Flächen selbstständig zu planen, anlegen und pflegen. Auf dem Stundenplan stehen Themen wie:
- Planung: von Plangrafik bis Kostenkalkulation
- Bau- und Vegetationstechnik: Böden, Wasser, Dachbegrünung und Recycling-Baustoffe
- Pflanzungen und Ansaaten: mit Fokus auf einheimische Wildpflanzen
- Pflegestrategien und Nutzerbeteiligung: wie Naturgärten lebendig bleiben
- Sicherheit in Natur-Erlebnis-Räumen

Zwischen den Modulen vertiefe ich das Gelernte mit Fachliteratur, kleinen Aufgaben und vor allem durch meine 20 Praktikumstage bei ausgewählten Fachbetrieben. Dabei kann ich das theoretische Wissen direkt praktisch anwenden und sehen, wie vielfältig Naturgärten in der Realität umgesetzt werden.
WAS IST DIE NATURGARTEN-AKADEMIE?
Die Naturgarten-Akademie wurde 2011 gegründet, um die Lücke zwischen der wachsenden Nachfrage nach naturnahen Gärten und dem fehlenden Fachwissen in der Praxis zu schließen. Die Akademie vermittelt praxisnahes Wissen rund um Planung, Umsetzung und Pflege naturnaher Grünflächen. Sie ist eine Initiative des Naturgarten e.V. und als 100%ige Rechtstochter des Vereins organisiert. Website: naturgarten-akademie.org
Die Praktika konnte ich bereit beginnen. Dort konnte ich vorab schon einige der anderen gut 20 Teilnehmenden meines Jahrgangs kennenlernen. Das hat mir den Einstieg enorm erleichtert. 😅
Praktika im Rahmen der Naturgarten-Profi-Ausbildung
Hier möchte ich Dich jetzt kurz mit auf meine Praktika-Stationen nehmen. Dies dient gleichzeitig meiner Dokumentation.
Mitmachbaustelle für mehr Naturerfahrung
Mein erster Praktikumstag im Rahmen der Weiterbildung zum Naturgarten-Profi ging nach Hagen. Dort hatten die Naturgarten-Profis Karin Stottmeister und Britta Koslowski eine sogenannte „Naturerfahrungsfläche“ geplant, die als Mitmachbaustelle umgesetzt wurde. Das Gelände ist ca. 1.900 qm groß und umfasst einen Wassermatschbereich, zwei große Hügel, eine Sitzarena, einen Kleinkinderbereich, einen Naschgarten und vieles mehr. Dies wurde im Vorfeld von einer Firma modelliert und gebaut.
Ich kam zu einem Zeitpunkt dazu, nachdem Schüler*innen und Anwohnende bereits einen erfolgreichen Tag Mitmachbaustelle absolviert hatten. Schön war zu sehen, dass auch am zweiten Tag viele Personen von Vortag noch einmal kamen. Kleine Kinder, die mit ihren Spiel-Schubkarren Holzhäcksel fuhren, eine engagierte Nachbarschaft, die die Pflanzen über Nacht beherbergte und feucht hielt und viele, die einfach Lust auf’s Anpacken hatten.
Zu den Aufgaben der anderen Praktikantinnen und mir zählten das Sortieren, Ausstellen und Setzen von Pflanzen, das Einsäen und locker Einharken. Mein Spezialgebiet wurde schnell ein gut 15 Meter langer Weidentunnel, den ich mit Hilfe von engagierten Kindern „flechten“ durfte. Dazu mussten wir nach genauem Muster die im Boden steckenden Weiden-Äste auf- und hintereinander legen und an den richtigen Stellen zusammenbinden.
Es war beeindruckend, wie viel Engagement auf einer Mitmachbaustelle zu sehen ist und wie schnell jede Person ihre Aufgaben findet. Ein abwechslungs- und erkenntnisreicher Tag.

WAS IST EINE MITMACHBAUSTELLE?
Eine Mitmachbaustelle ist der aktive Teil bei der Umsetzung sogenannter „Naturerlebnisräume“ oder – wie oben beschrieben – „Naturerfahrungsflächen“. Dazu zählen z.B. Spielplätze, Schulhöfe oder Mehrgenerationenplätze. Nach der partizipativen Methode des „Dillinger Modells“ planen die späteren Nutzenden in der Regel von Anfang an mit: Kinder, Lehrkräfte, Erziehende oder Anwohnende bringen ihre Ideen ein, die zu einem naturnahen Gesamtkonzept zusammengeführt werden.
Der Bau startet mit einer groben Modellierung durch Fachkräfte, danach packt die ganze Gemeinschaft mit an. Alle gestalten, bauen und bepflanzen gemeinsam. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl, fördert die Identifikation mit dem Projekt und sorgt dafür, dass der neue Ort mit Stolz gepflegt wird.
Unkrautjäten auf hohem Niveau: Praxis pur bei Birgit Helbig
Am 06.08.2025 startete mein dreitägiges Praktikum bei Birgit Helbig. Das Praktikum war als „Pflegepraktikum“ angelegt. Ich übersetze es gerne mit „Unkraut jäten auf hohem Niveau“, das heißt sehr differenziert die unerwünschten Pflänzchen identifizieren und am besten mit ihrem botanischen Namen ansprechen.
Die Pflegeeinsätze machten wir in Privatgärten, auf einem Kindertagesstätten-Gelände, in öffentlichem Grün und auf einem Friedhof, wo das anonyme Urnengrab naturnah gestaltet wurde. Zudem zeigte mir Birgit einen Neubau in ihrer Nachbarschaft, bei dem gerade ein Schwimmteich angelegt wurde. Fertige Schwimmteiche durfte ich auch in zwei weiteren Privatgarten bewundern. Die Dimension (und auch der Aufwand der Anlage) dieser teilweise gärten-füllenden wunderschönen Teiche hat mich sehr beeindruckt.
Darüber hinaus hat Birgit sich die Zeit genommen, mir und dem anderen Praktikanten ihre abgeschlossenen Projekte im Umkreis um ihren Heimatort zu zeigen. Dazu zählten mehrere Firmen in Gewerbegebieten, umgestaltete Dorfplätze und Natur-Erlebnis-Räume. Ich habe viele Ideen aus diesen Projekten mitgenommen und freue mich darauf, zu lernen, wie diese Elemente ganz konkret und – fachlich korrekt – im Naturgarten umgesetzt werden können.

Wildpflanzen im Großeinsatz: Öffentliches Grün in Ilmenau
Das Praktikum im Bereich „Ausführung“ habe ich bei Dr. Reinhard Witt absolviert. Im Rahmen der KFW-Förderung für „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen – Natürliche Bodenfunktionen wiederherstellen, Grünflächen schaffen und Artenvielfalt fördern“ hat er in Ilmenau ca. 80 Grünflächen um- bzw. neu geplant.
In dem zweitägigen Praktikum wurden die ersten 8 Flächen bepflanzt und angesät. Gemeinsam mit drei anderen Teilnehmerinnen aus meinem Naturgarten-Profi-Jahrgang stellten wir über 1000 Wildstauden auf verschiedenen Grünflächen aus. Dazu zählten Beete an Straßen, am Busbahnhof, an der Eishalle und am Rathaus/ Museum. Wir beschäftigten uns mit Leit-, Begleit- und Füllstauden, steckten Blumenzwiebeln mit System und übten das Einsäen von Wildblumensamen.
Auch bei diesem Praktikum habe ich viel mitgenommen, zum einen die vertiefte Wildpflanzenkenntnis, zum anderen tolle Anregungen zur Pflanzenkombination und Beetgestaltung. Gleichzeitig interessierte ich mich für die Umsetzung eines so umfangreichen öffentlich geförderten Projekts. Hier nimmt die Ausführung größere Dimensionen an und wurde gemeinsam mit einem ortsansässigen Gala-Bauunternehmen und der Belegschaft vom örtlichen Bauhof gestemmt.

Wildpflanzen vermehren: Drei Tage in der Gärtnerei StaudenSpatz
Vom 7. bis 9. April 2026 durfte ich ein dreitägiges Praktikum im Bereich Wildpflanzenerzeugung bei der Gärtnerei StaudenSpatz absolvieren. Dabei schnitt, steckte und wässerte ich Sprossstecklinge an, pikierte Sämlinge aus Saatschalen in Anzuchtplatten und topfte verschiedene Pflanzen in Einzeltöpfe um. Außerdem jätete ich Unkräuter auf der Verkaufsfläche und bekam einen Einblick hinter die Kulissen: in die betrieblichen Softwaresysteme für Auftragsbearbeitung, Etikettendruck und Online-Shop.
Der StaudenSpatz liegt in Oberhausen in der Nähe von München. Umso überraschender war, dass plötzlich eine Kollegin aus meiner Regiogruppe Mittelhessen des NaturGartene.V. vor mir stand (siehe Foto, Danke @Uli für die Bilder :-))! Sie war dort ein paar Tage im Urlaub und hat einen Abstecher zum StaudenSpatz gemacht. Sie hat von mir selbstverständlich eine kleine Führung bekommen durch die Gewächshäuser, den Muttergarten und die Pikier- und Topftische.
Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen – besonders die Arbeit mit den Wildpflanzen und das tolle Betriebsklima werden mir in Erinnerung bleiben. Ich nehme viele neue Erfahrungen mit und freue mich, meine Pflanzenkenntnis weiter zu vertiefen. Dazu habe ich mir beim StaudenSpatz die Pflanzen mitgenommen, die ich für mene Pflanzenkenntnisprüfung beim Naturgaren-Profi brauche. Jetzt ist mein Garten mein kleines Klassenzimmer.

Fazit
Ich freue mich riesig auf die kommenden zwei Jahre, vor allem auf die praktischen Erfahrungen und die vielen Aha-Momente auf meinem Weg zum Naturgarten-Profi. Mein Ziel: noch besser zu verstehen, wie ökologische Zusammenhänge wirklich funktionieren und wie ich sie mit einem lebendigen und nachhaltigen Gartendesign gestalten kann.

Wenn Du vielleicht selbst noch am Anfang stehst und Dich gerade das Gartenthema überfordert, dann habe ich noch einen kleinen Tipp: Hol Dir meine kostenlose No-Buy-Liste mit typischen Problempflanzen, die Du lieber nicht kaufen solltest. Diese Infos sparen Dir jede Menge Ärger. 🙂

Wie hilft Dir die NO-BUY-LISTE?
+ Erhalte eine klare Übersicht der 18 Fehlkauf-Pflanzen.
+ Erfahre, warum sie problematisch sind.
+ Finde heraus, ob sie sich bereits in Deinem Garten befinden.
+ BONUS
An alle Gartenneulinge: Es gibt echte Problempflanzen, auf die Dein Garten gut verzichten kann.
Deshalb habe ich Dir in dieser NO-BUY-LISTE 18 problematische Fehlkauf-Pflanzen zusammengestellt.
Quellen:
- https://naturgarten-akademie.org/
- https://naturgarten-akademie.org/fortbildung-zum-naturgarten-profi/
- https://naturgarten-akademie.org/ueber-uns/




Spannende Einblicke! Beim Thema Unrkaut jäten tue ich mich etwas schwer:
a) schon im frühen Stadium die Pflanzen zu erkennen bzw.
b) wenn ich sie erkenne, auch zu wissen, ob sie entfernt werden sollten oder nicht.
Wie habt ihr das gehandhabt? Natürlich hat Birgit einen riesen Erfahrungsschatz – aber gibt es hierzu eine Art Leitfaden mit praktischen Bezug?
– Welche typischen Pflanzenarten kommen raus (invasive ja eh, aber welche noch?)
– Woran (bzw. wann) erkenne ich als Nicht-Botaniker die Arten einigermaßen zuverlässig?
– Lieber erst einmal vorsichtiger jäten und sauber bestimmten und später nochmal nachbessern?
Hallo Thomas, danke für Deinen Kommentar und die Fragen – beim Jäten tue ich mich ehrlich gesagt auch schwer, ich erkenne mich in beiden Punkten sofort wieder. Ein paar Gedanken dazu:
Das Erkennen im frühen Stadium ist tatsächlich die größte Hürde. Was mir geholfen hat: mit ein, zwei oder drei geeigneten Apps fotografieren, dann hab ich einen Anhaltspunkt, naturaDB hilft mir dann im zweiten Schritt weiter, ob die Pflanze invasiv ist oder nicht. Das ist zwar kein Ersatz für Erfahrung, aber die kommt halt erst mit der Zeit.
Was raus muss, was bleiben darf – da unterscheide ich: Invasive wie Japanknöterich, Kanadische Goldrute oder Drüsiges Springkraut konsequent und sofort raus, je früher desto besser. Wurzelunkräuter wie Giersch, Ackerkratzdistel oder Zaunwinde ebenfalls, weil sie sich sonst festsetzen. Bei einjährigen Sämlingen kommt es drauf an – Vogelmiere zum Beispiel ist essbar und bodendeckend. Manchmal kann man aus der Not auch eine Tugend machen und das „Unkraut“ in einen nützlichen Bodendecker umdeklarieren 😉
Und ja: lieber vorsichtig anfangen und zweimal hinschauen. Manches, was nach Unkraut aussieht, entpuppt sich als nützliche Wildpflanze. Dabei stellt sich auch die Frage nach der Definition von „Unkraut“. Das kommt nämlich nicht nur auf die Pflanze an, sondern auch auf den Standort. Disteln, Karden usw. sind in meinen Augen keine Unkräuter. In einer KiTa neben dem Sandkasten aber schon, weil sie dort an der falschen Stelle wachsen. Das habe ich zumindest so von Birgit mitgenommen.
Zum Thema Erkennen kann ich außerdem ein praktisches Büchlein empfehlen: UnkrautEX. von Reinhard Witt & Katrin Kaltofen. Die wichtigsten Unkräuter werden in Bild und Text vorgestellt, Pflegemaßnahmen erklärt, inklusive typischer Fehler und praktischer Übersichtstabellen. Was mich besonders überzeugt: Es ist bewusst kompakt gehalten, man kann es einfach mit in den Garten nehmen und direkt vor Ort vergleichen. Absolut praxisnah, kein Wälzer – für Einsteiger genau das Richtige!