Deutschland summt

Preisträger bei Deutschland summt! 2026: Sandarium & Sumpfbeet

Wir haben gewonnen! Mein Sandarium und mein Sumpfbeet wurden beim Deutschland summt!-Pflanzwettbewerb 2026 in der Kategorie kleine Privatgärten ausgezeichnet. Am 19. September 2026 durfte ich die Auszeichnung persönlich bei der Prämierungsfeier in den Gärten der Welt in Berlin entgegennehmen. Rund 150 Gäste aus ganz Deutschland waren dabei. Insgesamt gingen 286 Beiträge ein, 47 davon wurden ausgezeichnet. Rund 4.000 Menschen haben mitgemacht und gemeinsam 17 Hektar naturnah gestaltet.

In diesem Beitrag erzähle ich Dir, wie aus einer gescheiterten Blumenwiese zwei Biotope wurden, was die Jury überzeugt hat und warum dieser Preis für mich mehr ist als eine Urkunde.

Deutschland summt

Der Anfang: Eine Blumenwiese, die nie funktioniert hat

Die Fläche, auf der heute mein Sandarium steht, war früher Kartoffelacker, dann Rasen, dann über Jahre eine Versuchsfläche für eine Blumenwiese. Das hat nie funktioniert. Der Boden war einfach zu nährstoffreich. Im Herbst 2025 kam mir dann die Idee: ein Sandarium.

Ein Sandarium ist nicht nur wertvoll für bodennistende Wildbienen. Es schafft gleichzeitig einen der magersten Standorte überhaupt für regional vorkommende Wildpflanzen. Und günstiger als Sand direkt aus der Grube geht es kaum. Etwas Übung hatte ich bereits, denn im Frühjahr 2025 hatten meine Familie und ich schon ein kleineres Sandarium bei meiner Mutter angelegt. Wir wussten also, worauf wir uns einließen. Zumindest dachten wir das.

März 2026: Der Bau beginnt

Wir haben die Grasnarbe abgetragen und die Fläche 30 Zentimeter tief ausgekoffert. 15 Quadratmeter klingen überschaubar, aber das sind sie nicht, wenn der gesamte Aushub irgendwo hin muss. Also mussten 7 Tonnen Sand per Schubkarre durch den Garten bewegt werden wollen. Mein Mann, meine Kinder und ich haben das gemeinsam gestemmt. Ein, zwei Urlaubstage sind dabei draufgegangen.

Der Sand kam direkt aus der lokalen Sandgrube, per Traktor mit Hänger. Wir haben ihn in Schichten von etwa 15 bis 20 Zentimetern eingebracht und jede Lage leicht festgetreten. Dabei haben wir die Fläche stark mit Hügeln modelliert und mit dem Spaten senkrechte Abbruchkanten gezogen. Halb vergrabene Steine und stehendes Totholz kamen dazu.

April 2026: Die Spontanidee mit der Jauchegrube

Dann kam die Frage, die ich nicht auf dem Schirm hatte: Was machen wir mit dem Aushub? Einen Teil hatte ich schon auf der unteren, schattigeren Hälfte des Beetes angehäuft. Dann fiel mir die alte betonierte Jauchegrube ins Auge. Ein rechteckiges Becken, knapp 75 Zentimeter tief, seit Jahren ungenutzt und ehrlich gesagt eine Falle für kleine Tiere. Der restliche Aushub passte genau hinein.

So entstand auf 3 Quadratmetern ein zweites Biotop, ohne zusätzlichen Aufwand und ohne zusätzliche Kosten. Heute wachsen dort Trollblume, Sumpf-Labkraut, Prachtnelke, Sumpf-Storchschnabel, Geflügeltes Johanniskraut, Wasser-Minze und Knotige Braunwurz. Ein blauer Eisenhut hat sich sogar von selbst eingefunden.

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Ab Mai 2026: Das Leben zieht ein

Beide Bereiche haben sich schnell belebt. Im Sandarium sind Lehmwespen, Masken-, Schweiß-, Mauer-, Sand-, Furchen- und Mörtelbienen unterwegs. Ameisen haben sich als Erste angesiedelt. Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele weitere Insekten besuchen regelmäßig beide Bereiche. Auch einen Bienenwolf habe ich beim Graben im Sand fotografiert.

Besonders spannend fand ich eine Beobachtung: Die Wildbienen interessieren sich wenig für die sorgfältig gestalteten Flächen. Sie graben lieber an Steinkanten oder in kleinen, nicht festgetretenen Aufschüttungen. Also habe ich gezielt neue Sandhaufen angelegt und sie bewusst locker gelassen.

Juni 2026: Der Funke springt über

Am 20. Juni 2026 war mein Garten Teil einer öffentlichen Gartentour der Regionalgruppe Mittelhessen des NaturGarten e.V. 15 Menschen haben die neuen Biotope besichtigt, Fragen gestellt und Ideen mitgenommen. Außerdem besuchte mich eine Journalistin des Evangelischen Pressedienstes für einen Pressebericht, der später in der Online-Ausgabe einer großen überregionalen Zeitung erschien.

Deutschland summt

Dokumentiert habe ich alles auf meinem Blog hier auf antje-mueller.net und auf naturaDB.de, wo ich Sandarium und Sumpfbeet als Kompositionen einreichen durfte.

Meine gesamte Einreichung inklusve aller Fotos findest Du im Portal von Deutschland summt! Pflanzwettbewerb 2026.

Warum der Preis mehr ist als eine Urkunde

Für mich zählt bei diesem Wettbewerb nicht nur die gestaltete Fläche. Es geht auch darum, Wissen und Begeisterung weiterzugeben. Genau das war mir bei diesem Projekt wichtig: die Gartentour, das Pressegespräch, der Austausch mit Nachbarn und Interessierten.

Ich will zeigen, was mit wenig Budget und viel Eigeninitiative möglich ist, selbst auf einem Boden, der für eine klassische Blumenwiese eigentlich zu nährstoffreich ist. Wenn ein Weg nicht funktioniert, lohnt es sich, einen anderen zu probieren. Das Sandarium ist mein Beweis dafür.

Pflege: Wenig Aufwand, viel Beobachtung

Das Sandarium pflegt sich inzwischen weitgehend selbst. Unkraut fasst im mageren Substrat kaum Fuß. Die Stauden bleiben über Winter stehen und werden erst im späten Frühjahr zurückgeschnitten, damit Insekten die Stängel als Winterquartier nutzen können. Die offenen Sandflächen halte ich bewusst von Bewuchs frei, damit sie als Nistplatz erhalten bleiben.

Das Sumpfbeet braucht dagegen mehr Aufmerksamkeit. Der Aushub hat viele Unkrautsamen mitgebracht, also jäte ich dort regelmäßig von Hand. Bei langen Trockenperioden wässere ich nach. Den blauen Eisenhut behalte ich im Auge, denn er kann sich stark ausbreiten.

Die Prämierungsfeier in Berlin

Am Samstag durfte ich viele der anderen Preisträgerinnen und Preisträger persönlich kennenlernen. Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt der Berliner Senatsverwaltung, hielt ein Grußwort und betonte, dass der Schutz der biologischen Vielfalt Menschen braucht, die vor Ort Verantwortung übernehmen, aber auch die richtigen politische Rahmenbedingungen. Das kann ich nur unterstreichen.

Genau das habe ich an diesem Nachmittag gespürt: Wie viele Menschen in ganz Deutschland auf ganz unterschiedlichen Flächen naturnahe Lebensräume schaffen. Vom Balkon über den Schulgarten bis zur Kommune.

Und ich durfte mit meiner Familie auf der Bühne stehen und unsere Projekte präsentieren.

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Danke

Danke an alle, die diesen Weg mit begleitet haben: die Regionalgruppe Mittelhessen des NaturGarten e.V. für die Gartentour, die Presse für die Aufmerksamkeit und natürlich meine Familie, ohne die die sieben Tonnen Sand nie den Weg durch den Garten gefunden hätten. Danke an Deutschland summt! für den Preis und das Sichtbarmachen der Vielfalt in den Gärten.

Und Dir danke ich fürs Lesen und fürs Interesse an naturnahen Gärten. Wenn Du selbst mit dem Gedanken an ein Sandarium – oder ein Sumpfbeet – spielst, schau gern in meine ausführlichen Beiträge dazu:

Vielleicht ist es genau Dein nächstes Gartenprojekt. 🌱💪

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