Regenwasser sammeln – das klingt erstmal nach Regentonne und fertig. Aber es steckt so viel mehr dahinter. Wer einmal verstanden hat, wie viel kostbares Wasser ungenutzt in der Kanalisation verschwindet, will das sofort ändern.
Ich habe drei Expert*innen gefragt, wie sie Regenwasser im Garten sammeln und sinnvoll nutzen. Als Nummer 4 reihe ich mich ein und teile selbst auch meinen Lieblingstipp: DIY-Ollas. Einfach, günstig und clever.
Was mich bei diesem Beitrag besonders freut: Ich kenne alle drei persönlich. Wie das kam, erzähl ich Dir gleich zu jedem Tipp.
Diesen Blogbeitrag habe ich im Juli 2024 das erste Mal veröffentlicht. Im April 2026 wurde er überarbeitet, aktualisiert und neu veröffentlicht.
Sonja Stadje: Erst nachrechnen, dann Regenwasser sammeln

Dipl.-Ing. (FH) Sonja Stadje M.A. ist selbstständige Planerin für naturnahe Grün- und Freiräume in der Lüneburger Heide. Am liebsten entwirft und realisiert sie Natur-Erlebnis-Räume für alle Altersgruppen und begleitet mit Gartenplanungen und -Beratungen so viele Gartenbesitzer:innen wie möglich auf neue bunte, wilde und lebenswerte Garten-Pfade.
📋 Woher ich Sonja kenne: Wir haben uns in einem Online-Kurs kennengelernt. Der Kurs selbst? Naja. Aber Sonja kennenzulernen – das war es wert. 😉
Sonja: Gießen ist wichtig, genießen ist besser! Um Regenwasser bestmöglich zu nutzen, solltest Du wissen, welche Wassermenge Du zum Gießen brauchst, und den Rest Deinem Garten und Dir großzügig spendieren – weil „geschenktes“ Wasser im Garten immer ein Gewinn ist.
Ein Dach von 100 Quadratmetern beschert Dir bei 700 Litern Regen pro Quadratmeter im Jahr 70.000 Liter Regenwasser. Ein Quadratmeter Gemüsebeet braucht im Schnitt 400 Liter Wasser im Jahr.
Theoretisch kann allein Dein Dachwasser also 175 Quadratmeter Gemüsebeet gießen – eine ganze Menge! (Und auf den Rest des Grundstückes regnet es ja auch noch …)
Als Speicher für Dachwasser empfehle ich:
- Regentonnen (Du kannst auch pro „angezapftem“ Regenrohr mehrere Tonnen in Reihe füllen!)
- Kunststofftanks für größere Mengen
- Zisternen für den maximalen Vorrat
Alles Wasser, das nicht zum Gießen benötigt wird, kannst Du besser genießen, statt es ungenutzt im Kanal verschwinden zu lassen. Ein naturnaher Teich ist die beste (und schönste!) Möglichkeit dazu.
Praktischerweise baust Du ihn so, dass sein „Normalpegel“ 20-30 cm Luft nach oben hat. Dadurch kann der Teich bei Starkregen viel zusätzliches Wasser aufnehmen: Deine Gießreserve! Ein fischfreier Naturteich bietet außerdem einen Deluxe-Lebensraum für Gartentiere und kühlt Deinen Garten bei Hitze.
Übrigens: Mückenlarven überleben in Massen nur in geschlossenen Wasserbehältern. In einem (Natur-)Teich sind schnell Fressfeinde da.
Mehr über Sonja: sonjastadje.de | Instagram: @sonja_stadje_naturgarten
Jens Maute: Den Garten als Schwamm nutzen

Seit 2004 ist Jens Maute Inhaber und Geschäftsführer der Firma Gartenarchitektur & Landschaftsbau Jens Maute in Marburg. Als Landschaftsarchitekt bietet er Planung, Beratung, Ausführung, Vorträge, Seminare und Gartengutachten an. Ihm und seinem Team liegt die naturnahe Gartengestaltung besonders am Herzen.
📋 Woher ich Jens kenne: Jens habe ich 2023 im Naturgarten e.V. in meiner Regionalgruppe kennengelernt – seitdem haben wir vor allem bei Info-Ständen und Vorträgen zusammengearbeitet.
Jens: Wertvolles Regenwasser lässt sich in regenreichen Zeiten im Hausgarten speichern. Der Gartenboden saugt sich dabei voll, wie ein Schwamm.
Damit das Regenwasser nicht ungenutzt in der Kanalisation verschwindet, kann es mit einer einfachen technischen Lösung im Boden gespeichert werden. Dazu wird ein so genannter „Regensammler“ an das normale Fallrohr angeschlossen. Manchmal wird er auch „Regendieb“ genannt.
Dieser Regensammler leitet einen Teil des Wassers aus dem Fallrohr ab, der Rest fließt ganz normal in den Kanal. An den Regensammler kann ein Gartenschlauch angeschlossen werden.
Diesen Schlauch legst Du einfach an verschiedene Stellen im Garten – wenn es regnet! Dann kann sich der Gartenboden während des Regenschauers vollsaugen.

Du tränkst Deinen Boden also vorsorglich mit Regenwasser, damit die Pflanzen im Sommer genügend Wasser aus dem Boden ziehen können. Das versickerte Wasser steht in Deinem “Schwammgarten” vor allem den großen Bäumen zur Verfügung.
🏆 Update: Jens hat gerade den Deutschen Gartenbuchpreis 2026 (Kategorie: Bester Ratgeber) gewonnen – für sein erstes Buch „Wasser im Garten clever managen“ (Kosmos). Herzlichen Glückwunsch, Jens! Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, ist mit diesem Buch bestens beraten.
Mehr über Jens: gartenarchitekt-maute.de | Instagram: @jensmaute.gartenbau
Christina Ullrich: Regenwasser sammeln, indem man es versickern lässt

Die promovierte Historikerin und ausgebildete Naturgartenplanerin Christina Ullrich ist im „Team Wissenschaft“ genauso zu Hause, wie mit den Händen in der Erde. Mit ihrem Planungsbüro für naturnahe Lebensräume “Flower Power” bietet sie Beratung, Planung, Gestaltung und Vorträge an, um mehr Gärten zu spannenden Wohlfühlorten für Mensch & Natur zu machen.
📋 Woher ich Christina kenne: Christina kenne ich auch über den Naturgarten e.V. Sie hat für unsere Regiogruppe Mittelhessen einen kleinen Natur-Schaugarten im Neuen Botanischen Garten in Marburg geplant und gemeinsam mit uns – und schwerem Gerät – umgesetzt.
Christina: Mein Wasserspartipp Nr. 1: Einen Naturgarten anlegen – denn ein Naturgarten braucht kein Gießkonzept.
Alles beginnt mit möglichst vielen versickerungsfähigen Flächen in Deinem Garten: Einfahrten, Stellplätze, Wege, Sitzplätze – hier muss das Regenwasser nicht drüber rauschen.
Nutzen wir es, entsiegeln wir Flächen und lassen das Regenwasser versickern! Mit Blumen-Schotterrasen, breiten Fugen zwischen Natursteinplatten, in Sumpfbeeten oder aufnahmefähigem Blumen-Kräuterrasen – in jedem Garten gibt es viele große und kleine Möglichkeiten.
Leg Dir einen Naturgarten an! Mit robusten, einheimischen Wildpflanzen am richtigen Standort und artenreichen Aussaaten darfst Du genießen, statt gießen. Und zwar auch in trockenen Jahren.
Einzige Ausnahme: Der Topfgarten
Hier experimentiere ich dieses Jahr mit Intensiv-Dachsubstraten, in die ich echte Trockenheitskünstler:innen für die Südseite gepflanzt habe (z.B. Karthäuser-Nelke, Echter Wundklee, Sandgrasnelke). Wenn die Sonne brennt, greife ich einmal die Woche zur Gießkanne. Ein Topf ist halt ein Extremstandort …
Ein neues Experiment in meinem Garten, das ich nur empfehlen kann: Sumpftöpfe mit Wildpflanzen der wechselfeuchten Standorte. Mal steht das Regenwasser bis zum Rand, mal trocknet der Topf aus – Sumpf-Hahnenfuß und Blutweiderich gefällt es bislang im alten hessischen „Fettdippen“.
Mehr über Christina: flowerpower-naturgarten.de | Instagram: @flowerpower.naturgarten
Antje (ich!): DIY-Ollas – Regenwasser direkt unter der Erde abgeben
Mein persönlicher Favorit zum Thema Regenwasser sammeln sind Ollas – unterirdische Tontöpfe, die Wasser direkt an die Wurzeln abgeben. Sie eignen sich hervorragend für Gemüse, feuchtigkeitsliebende Pflanzen und junge Gehölze.
Das Prinzip: Die unglasierte Tonoberfläche ist leicht porös – Wasser sickert langsam durch den Ton und gelangt dorthin, wo es gebraucht wird. Du füllst sie am allerbesten mit Regenwasser auf.
Ich bin so begeistert davon, dass ich gleich drei Varianten ausprobiert habe:
Variante 1 – Easy DIY: Zwei Tontöpfe aus dem Baumarkt mit Montagekleber zusammenkleben und das untere Loch verschließen. Mit einem Trichter lässt sich die Olla von oben bequem befüllen. Mehr braucht es wirklich nicht.
Variante 2 – Selbst töpfern: Wer Zugang zu einem Töpferkurs hat, kann die Olla in der gewünschten Größe selbst aufbauen. Nur die Innenseite verstreichen – so bleibt außen eine größere Oberfläche für die Wasserabgabe erhalten. Brenntemperatur: je nach Ton, oft um die 1000 Grad. Diesen Tipp hat mir Anette verraten, deren ehemaligen Rosengarten ich in einem Gartenportrait vorstellen durfte.
Variante 3 – Meine Sparvariante: Ich habe gebrauchte Weinkühler aus unglasiertem Ton umfunktioniert. Der Untersetzer dient als Deckel. Günstig, hübsch und funktioniert prima.

Wichtig bei allen drei Varianten: Immer mit einem Deckel arbeiten – so verdunstet das Wasser nicht nach oben und Tiere können nicht hineinfallen und ertrinken.
Fazit: Regenwasser sammeln hat viele Gesichter
Von der Zisterne bis zur Olla, vom Schwammgarten bis zur entsiegelten Einfahrt – es gibt so viele Ideen, wie man Regenwasser sammeln und sinnvoll nutzen kann. Was mich an diesem Beitrag besonders freut: Ich durfte von Menschen lernen, die ich persönlich kenne und schätze.
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Nimm Dir den Tipp, der am besten zu Deinem Garten passt und schau, was passiert.
Welche Idee gefällt Dir am besten? Sammelst Du schon Regenwasser im Garten und wenn ja, wie? Ich freue mich auf Deinen Kommentar! Scroll ganz runter👇
Häufige Fragen rund ums Regenwasser sammeln
Wie kann ich Regenwasser sammeln oder auffangen?
Am einfachsten über eine Regentonne, die Du an ein Fallrohr anschließt. Schon ein handelsüblicher Regensammler am Fallrohr reicht aus, um bei jedem Schauer Wasser aufzufangen (siehe Jens‘ Tipp oben). Für größere Mengen werden klassischer Weise oft Kunststofftanks oder eine unterirdische Zisterne eingebaut. Oder Du versuchst es mit einem Naturgarten, der ist nicht so durstig (siehe Christinas Tipp oben).
Wie kann ich Regenwasser versickern lassen?
Indem Du versiegelte Flächen im Garten entsiegelst: Blumenschotterrasen statt Beton, breite Fugen zwischen Pflastersteinen, Staudenbeete oder Sumpfbeete nehmen Regenwasser direkt auf und leiten es ins Grundwasser weiter. Auch ein Regensammler am Fallrohr mit angeschlossenem Schlauch kann den Boden gezielt tränken – der sogenannte Schwammgarten-Ansatz.
Wie kann ich Regenwasser auf dem Balkon auffangen?
Eine kleine Regentonne oder ein Tank, der an die Dachrinne oder ein Fallrohr angeschlossen wird, funktioniert auch auf dem Balkon. Wichtig: Vorher die Erlaubnis des Vermieters einholen. Wer keinen Fallrohranschluss hat, kann auch einfach Schalen oder Kübel aufstellen – das sammelt zwar weniger, schont aber trotzdem das Leitungswasser beim Gießen.
Wie kann ich Regenwasser nutzen?
Im Garten zum Gießen – das ist die einfachste und häufigste Nutzung. Darüber hinaus eignet sich Regenwasser für die Waschmaschine (kalkarm!), die Toilettenspülung oder zum Autowaschen. Für all das braucht es eine Zisterne mit entsprechender Hausinstallation. Für Trinkwasser und Kochen ist es nicht zugelassen.
Regenwasser sinnvoll nutzen – wo fange ich an?
Mit einer Regentonne am Fallrohr – das ist der einfachste erste Schritt. Dann: Gießkanne statt Gartenschlauch, also gezielt und sparsam gießen. Wer tiefer einsteigen möchte, kann Ollas im Beet vergraben (siehe meinen Tipp oben), Flächen entsiegeln oder langfristig eine Zisterne einbauen.
Wann ist Regenwasser sammeln verboten?
Regenwasser sammeln ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt und sogar erwünscht. Einschränkungen oder Genehmigungspflichten gibt es in diesen Fällen:
Große Zisternen: Der Einbau unterliegt oft der Genehmigungspflicht durch die Baubehörde.
Mietwohnungen: Auf Balkon oder im Mietgarten braucht es die Zustimmung des Vermieters.
Örtliche Vorschriften: Kommunale Satzungen regeln, wie der Überlauf in die Kanalisation eingeleitet werden darf.
Dachmaterialien: Wasser von Kupfer-, Zink- oder Bitumendächern kann Schadstoffe enthalten und ist für die Gartenbewässerung oft nicht geeignet.
Trinkwasserverordnung: Regenwasser darf nicht mit dem öffentlichen Trinkwassernetz verbunden werden.
Wohin wird Regenwasser abgeleitet?
Normalerweise über Fallrohre und Abflüsse direkt in die Kanalisation – und damit ins Abwassersystem oder in Kläranlagen. Das ist schade, denn dieses Wasser fehlt dann dem Grundwasser und Deinem Garten. Mit Regentonnen, Regensammlern oder entsiegelten Flächen kannst Du einen Teil davon abfangen, bevor es weg ist.



